Autismus im Erwachsenenalter verstehen: Diagnostik, Behandlung und autistisches Burnout in der klinischen Praxis, 3-teiliger Online-Kurs

Webinar · 15.04.27 - 29.04.27

Autismus im Erwachsenenalter verstehen: Diagnostik, Behandlung und autistisches Burnout in der klinischen Praxis, 3-teiliger Online-Kurs

Inhalt der 3- teiligen Onlinefortbildung


Modul 1 - 15. April 2027 
Autismus-Spektrum-Störung: Einführung und Diagnostik bei Erwachsenen

Epidemiologische Studien gehen davon aus, dass etwa zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung Kriterien einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) erfüllen. In psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgungseinrichtungen liegt der Anteil betroffener Personen jedoch deutlich höher. Gleichzeitig zeigt die klinische Praxis, dass Autismus im Erwachsenenalter häufig erst spät erkannt wird oder zunächst hinter anderen psychischen Störungsbildern verborgen bleibt. Nicht selten erfolgt die diagnostische Einordnung primär über komorbide Symptome, während die zugrunde liegende ASS lange unentdeckt bleibt. Dies kann erhebliche Konsequenzen für den Behandlungsverlauf, die therapeutische Planung sowie die langfristige Prognose haben. 

Parallel zur zunehmenden gesellschaftlichen Aufmerksamkeit für Autismus ist in den vergangenen Jahren auch eine deutliche Zunahme von Selbstzuschreibungen zu beobachten. Untersuchungen zeigen jedoch, dass diese nicht immer mit einer fachlich fundierten Diagnostik übereinstimmen. In der klinischen Praxis kann dies zu diagnostischen Unsicherheiten, Fehlzuschreibungen und teilweise auch zu therapeutischen Ansätzen führen, die der tatsächlichen Problemlage nicht angemessen sind.

Der Workshop bietet eine praxisnahe und leitlinienorientierte Einführung in die Diagnostik der Autismus-Spektrum-Störung im Erwachsenenalter. Vermittelt werden zentrale diagnostische Kriterien sowie deren differenzierte Anwendung im klinischen Kontext. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Integration verschiedener Informationsquellen –
darunter Eigenanamnese, Fremdanamnese, testpsychologische Verfahren und klinische Beobachtungen – sowie auf der systematischen Abgrenzung gegenüber häufigen Differentialdiagnosen.

Ziel der Veranstaltung ist es, die diagnostische Sicherheit der Teilnehmenden zu stärken, Fehldiagnosen vorzubeugen und eine differenzierte sowie verantwortungsvolle diagnostische Einschätzung im klinischen Alltag zu fördern.

 

Modul 2 - 22. April 2027 
Autismus-Spektrum-Störung: Behandlung

Die psychotherapeutische Arbeit mit erwachsenen Personen im Autismus-Spektrum setzt ein vertieftes Verständnis der spezifischen neurodivergenten Muster in der Emotionsverarbeitung, Kommunikation und Stressregulation voraus. Viele klassische psychotherapeutische Ansätze zeigen in diesem Kontext nur begrenzte Wirksamkeit, da zentrale Wirkmechanismen psychotherapeutischer Prozesse – etwa implizite soziale Signale, die Wahrnehmung und Differenzierung von Emotionen, Affektregulation oder kognitive Flexibilität – bei autistischen Menschen häufig anders ausgeprägt sind.

Der Workshop vermittelt praxisorientierte Strategien für die psychotherapeutische Behandlung von Erwachsenen im Autismus-Spektrum. Thematische Schwerpunkte sind unter anderem eine klar strukturierte und explizite therapeutische Kommunikation, der 
therapeutische Umgang mit Emotionen und Emotionsregulation, Strategien zur Bewältigung chronischer Stressbelastung sowie Konzepte zum Energiemanagement. Darüber hinaus wird auf typische Muster von Inflexibilität und rigidem Verhalten eingegangen und deren therapeutische Bearbeitung diskutiert.

Die Teilnehmenden erhalten konkrete, unmittelbar umsetzbare Methoden für den klinischen Alltag. Ziel der Fortbildung ist es, therapeutische Prozesse besser an die Bedürfnisse autistischer Patient:innen anzupassen, Behandlungsverläufe zu stabilisieren und eine verlässliche, tragfähige therapeutische Arbeitsbeziehung zu fördern.

 

Modul 3 - 29. April 2027 
Autistisches Burnout

Epidemiologische Schätzungen gehen davon aus, dass etwa zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung Merkmale einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) aufweisen, darunter auch Personen mit einem Asperger-Syndrom. In psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgungskontexten ist der Anteil autistischer Patient:innen jedoch deutlich höher. Trotz dieser Prävalenz wird Autismus im Erwachsenenalter weiterhin häufig erst spät erkannt oder im Rahmen anderer psychischer Störungen fehlinterpretiert. In der Folge stehen oftmals komorbide Symptomatiken im Vordergrund der Behandlung, während die zugrunde liegende neuroentwicklungsbedingte Besonderheit unzureichend berücksichtigt wird. Dies kann dazu führen, dass therapeutische Interventionen nicht optimal greifen und sich Belastungen sowie Leidensdruck über längere Zeit aufrechterhalten.

Vor diesem Hintergrund gewinnt das Konzept des autistischen Burnouts zunehmend an Bedeutung. Darunter wird ein Zustand ausgeprägter mentaler, emotionaler und körperlicher Erschöpfung verstanden, der aus einer langandauernden Überforderung durch Anpassungsleistungen, chronischen Stress und sensorische sowie soziale Belastungen entstehen kann. Autistisches Burnout wird in der klinischen Praxis bislang häufig übersehen oder mit anderen Störungsbildern – etwa Depression oder Erschöpfungssyndromen – verwechselt.

Der Workshop vermittelt eine praxisnahe Einführung in das Verständnis, die Erkennung und den professionellen Umgang mit autistischem Burnout. Vermittelt werden zentrale theoretische Grundlagen, klinische Erscheinungsformen sowie wichtige differentialdiagnostische Überlegungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der praktischen Anwendung im therapeutischen Alltag: anhand von Fallbeispielen, Übungen und konkreten Interventionsansätzen werden Strategien zur Prävention, Stabilisierung und unterstützenden Begleitung von Betroffenen erarbeitet.

Ziel der Veranstaltung ist es, Fachpersonen aus Psychologie, Psychotherapie und angrenzenden Berufsgruppen für das Phänomen des autistischen Burnouts zu sensibilisieren und ihnen praxisrelevante Werkzeuge an die Hand zu geben, um betroffene Patient:innen fundiert und wirksam begleiten zu können.

Ablauf

3-teilige Reihe mit folgenden Terminen:

Donnerstag, der 15. April 2027 von 08:00 bis 15:30 Uhr inkl. Pausen 
Donnerstag, der 22. April 2027 von 08:00 bis 15:30 Uhr inkl. Pausen
Donnerstag, der 29. April 2027 von 08:00 bis 15:30 Uhr inkl. Pausen 

Fortbildungspunkte

Dieser Vortrag befindet sich in der Akkreditierungsphase und wird voraussichtlich mit 24 Punkten durch die PTK Niedersachsen akkreditiert.

Wichtige Informationen

Für die Online Live-Sitzungen benötigen Sie: 

  • stabile Internetverbindung
  • Web-Videokamera (normalerweise im Laptop integriert)
  • Headset oder Mikrofon und Lautsprecher
  • einen Ort, an dem Sie für die Dauer der Sitzung ungestört sind
  • die Durchführung der Schulung findet über Zoom statt

Hinweis zur Rechnungsstellung: Bei Online-Zahlung erhalten Sie die Rechnung innerhalb von 1-2 Tagen per E-Mail. Sollten Sie nicht online zahlen, durchlaufen Sie den Buchungsprozess und erhalten 4 - 8 Wochen vor Veranstaltungsbeginn die Rechnung per Mail.

Dozenten

Frau Dr. phil. Claudia Hackl-Zuccarella

Frau Dr. phil. Claudia Hackl-Zuccarella

Dr. phil. Claudia Hackl-Zuccarella ist Psychologische Psychotherapeutin mit den Schwerpunkten kognitive Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin. Seit 2018 beschäftigt sie sich intensiv mit der spezialisierten Diagnostik und psychotherapeutischen Behandlung von Erwachsenen im Autismus￾Spektrum und verfügt über langjährige klinische Erfahrung in diesem Fachgebiet.

Zwischen 2022 und 2025 war sie am Autismus-Zentrum Zürich tätig, zuletzt in der Funktion der stellvertretenden Leitung. Seit 2026 arbeitet sie in eigener Praxis mit einem Fokus auf die diagnostische
Abklärung sowie die therapeutische Begleitung erwachsener Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung.

Neben ihrer klinischen Tätigkeit ist sie als Dozentin an der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich tätig und engagiert sich dafür, wissenschaftliche Erkenntnisse praxisnah in die psychotherapeutische Versorgung zu übertragen.

  • Zeitraum
    15.04.27 - 29.04.27
    08:00 - 15:30 Uhr
  • Fortbildungspunkte
    24
  • Teilnehmerbegrenzung
    Min. 10 Personen
    Max. 20 Personen
  • Dozent:in
    Frau Dr. phil. Claudia Hackl-Zuccarella
  • Veranstaltungsort
    Online-Veranstaltung / Webinar

Veranstalter
psyCultus Fortbildungen

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